In Zeiten, in denen die Gelegenheiten für Treffen selten sind, ist Networking wichtiger denn je. Egal, ob Sie sich beruflich verändern oder an Ihrer Karriere arbeiten wollen, getroffen wird sich online und nicht persönlich. Wenn Sie sich fragen, wie Sie Teil des richtigen Netzwerks werden und wie Sie Ihre Netzwerk-Moral aus der Kontaktlos-Krise holen, hier gibt es Antworten und eine Checkliste zum Durchstarten.

Die Vorteile eines guten Netzwerks liegen auf der Hand. Gibt es einen Job zu vergeben, erfahren Sie es zuerst. Sie haben Ärger? Ein Tipp aus dem Netzwerk und Sie finden den richtigen Anwalt, Architekten, Arzt, Installateur, Maler. Sie kennen sich bei etwas nicht aus? Sie bekommen den entscheidenden Hinweis. Sie sind neu? Jemand aus Ihrem Netzwerk stellt Sie vor.

Klingt als wäre das Netzwerk ein großes Buffet, an dem man sich nach Herzenslust bedienen kann? Das Gegenteil ist der Fall. Die Essenz des Networking ist ernsthafte Großzügigkeit. Als Frage formuliert lautet das Anliegen „Was kann ich euch anbieten?“ Wer mit dem Gedanken „Was könnt ihr für mich tun?“ im Netzwerk agiert, hat schnell verspielt.
Sie werden vielleicht einwenden wollen, dass Sie gerade am Anfang stehen und (noch) nichts anzubieten haben, was von Interesse ist? Schon gar nicht für langjährige Profis. Was könnte ein Student einem Netzwerk zu bieten haben? Lassen Sie sich gesagt sein, das Netzwerk ist nicht der Platz für Zweifel. Sie haben mindestens Ihren individuellen Standpunkt anzubieten, flankiert von Ihrer universellen Erfahrung und Ihrem Wissen und vielleicht einer neuen Perspektive Probleme anzugehen. Nur Sie verfügen über Ihr Insiderwissen, Ihre Expertise, Ihre Neugier und Ihre Motivation bei einer Fragestellung etwas beizutragen. Konkret bedeutet das, Sie können bei Projekten zusammenarbeiten und Ihre Fähigkeiten, Ihre Kreativität einsetzen, um gemeinsam eine Strategie zu erarbeiten. Die Lösung verschenken Sie. Ihr Lohn sind die entstandenen Kontakte und das jetzt schon ein paar Leute wissen, dass man auf Sie zählen kann.

Etablierte Profis brauchen Ihren Input, Ihren Hunger, Ihre Bereitschaft solche Wege zu beschreiten. Keine Bange, Sie verzetteln sich nicht, dieser Weg bringt Sie weiter. Wenn man Sie gut findet, erfahren Sie vielleicht bald von einem Job.

Wie bei jedem anderen Projekt in der Realität ist auch beim virtuellen Pendant eine gute Vorbereitung nützlich. Diese Checkliste erleichtert Ihnen den Start.

Identität

Welches Bild geben Sie ab, wenn man Sie sucht? Ihr Online-Profil sollte auf dem neuesten Stand sein und klar vermitteln, was Sie anzubieten haben. Fragen Sie sich selbst, ob Sie sich sympathisch fänden und welche Adjektive Ihnen bei der Betrachtung Ihres Profils einfallen würden, wenn Sie es einem Freund beschreiben müssten.

Technik-Check

Sind Sie vertraut mit den gängigen Video- und Chat-Tools? Funktionieren Lautsprecher und Kamera? Wie sieht es mit Speicher- und Verbindungs-Geschwindigkeit aus? Familie und Freunde lassen sich sicher als Übungsobjekte einspannen. Richten Sie sich einen Platz ein, spielen Sie mit Hintergründen und Nebengeräuschen, bis Sie vor der Kamera ein professionelles Bild abgeben.

Status-Check

Prüfen Sie das bestehende Netzwerk. Aktivieren Sie ruhende Kontakte in Ihrem Tätigkeitsbereich. Entspricht das Netzwerk Ihren Zielen der nächsten Jahre? Wer fehlt und wie könnten Sie die Lücke füllen? Ihre Erfahrungen sollten realistisch sein, erwarten Sie nicht zu viel beim Rücklauf.

Persönlichkeit

Zeigen Sie echtes Interesse, sparen Sie Themen wie die Pandemie nicht aus, jeder ist davon betroffen. Sinn der Übung ist nicht stundenlanges Chatten, sondern das Zeigen von Mitgefühl. Fragen Sie sich selbst, was Sie als angemessen und angenehm empfinden würden.

Einstellung

Erinnern Sie sich daran, dass Sie etwas von Wert zu bieten haben. Sie sind kein Bittsteller, sondern haben das große Ganze im Blick und möchten das Ihre dazu beitragen. Vertrauen Sie in Ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten. Wenn Sie es nicht tun, wie wollen Sie andere davon überzeugen?

Vielfalt

Ihr Netzwerk verfolgt jeden Ihrer Schritte und lebt von der Vielfalt, die Sie zu bieten haben. Verbinden Sie sich auch mit Berufs-fernen Gruppen, streben Sie nach Vielfalt, Leuten von anderem sozialen Hintergrund, untypisch für Ihr Fach denkenden Menschen. Haben Sie keine Angst davor, mit Fremden zu sprechen. Hören Sie gut zu, stellen Sie Fragen.

Großzügigkeit

Teilen Sie Artikel, die für Leute aus Ihrem Netzwerk von Interesse sein könnten. Sie haben eine coole Grafik erarbeitet? Verschenken Sie sie, ohne etwas dafür zu erwarten. Ihr Content wird eingebunden werden, man wird sich an Sie erinnern.

Hilfestellung

Bitten Sie um Hilfe, wenn Sie nicht weiter wissen, oder beim richtigen Maß unsicher sind. Die meisten Menschen helfen gern, werden gern gebraucht und sind bereit sich zu engagieren, egal, ob es darum geht, einen Kontakt herzustellen oder anderweitig.

Netzrunden

Beim Lockdown wurden die sozialen Kontakte ins Netz verlegt. Von der Tupperparty, über die Yogastunde bis zur Musikprobe – Abstriche hinnehmbar. Nie waren Leute bereiter als jetzt, sich für zehn bis 15 Minuten bei einer Netzrunde zu treffen. Netzkaffees, Webinare, Social Media Meeting – laden Sie dazu ein, nehmen Sie Teil – ohne die Erwartung, dass etwas dabei rauskommen muss. Bleiben Sie offen, bieten Sie Ihre Hilfe an. Konkrete Ziele wie „Mit fünf neuen Leuten/Woche sprechen“ sind hilfreich.

Dranbleiben

Nur Konsistenz zahlt sich aus. Netzwerken ist zeitintensiv und ein Langzeitprojekt. Geben Sie nicht auf, wenn Sie nicht sofort Feedback bekommen. Bespielen Sie die Social- Media-Kanäle, die von denen benutzt werden, mit denen Sie verbunden sein wollen. Nur so können Sie sich langfristig mit den richtigen Leuten umgeben.

Authentizität

Versuchen Sie, Spaß an der Sache zu entwickeln. Ist Networking für Sie das Abarbeiten einer lästigen Pflichtübung, wird sich das früher oder später bemerkbar machen. Kommunikation macht Freude, verbindet Sie mit andern Menschen und öffnet Ihnen Tore zu anderen Welten. Verstellen Sie sich nicht. Sie können und sollen ganz Sie selbst sein.